Weitere Informationen zu den "Weideschildern"
Weidehaltung im Dienstgebiet Tirschenreuth-Weiden i.d.OPf.
Auf dieser Seite finden Sie viele interessante Fakten über die Weidehaltung. Wer über den QR-Code auf den Schildern zu dieser Seite gelangt ist, findet die weiterführenden Informationen unter der jeweils gleichen Überschrift bzw. mit den gleichen Bildern, wie auf den Schildern - viel Spaß beim Informieren!
Weiden als Kohlenstoffspeicher
Neben der Erzeugung von Milch und Fleisch dient die Weidehaltung nicht nur dem Tierwohl, sondern kann auch verschiedene Vorteile für andere Kleinstlebewesen haben. Darüber hinaus kann die Beweidung bei entsprechender Honorierung auch wirtschaftlich interessant sein. Ökologische Betriebe mit Tierhaltung sind verpflichtet, den ständigen Zugang zu Freigelände, bevorzugt zu Weideland, zu gewähren. Eine Ausnahme kann beispielsweise eine schlechte Witterung sein, bei der der Boden durch Trittschäden stark in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Um den Weideaustrieb zu dokumentieren, wird deshalb oft ein sogenanntes „Weidetagebuch“ durch den Betriebsleiter geführt.
Rotes Höhenvieh – erhaltenswerte Rinderrasse
Das Rote Höhenvieh war weit verbreitet und wurde in der Landwirtschaft als Dreinutzungsrind (Milchvieh, Fleischrind, Arbeitstier) eingesetzt, bis die zunehmende Mechanisierung Mitte des 20. Jahrhunderts die Rasse fast zum Aussterben brachte. Der im Jahr 1898 in Weiden gegründete Zuchtverband für das Bayerische Rote Höhenvieh setzte sich das Ziel, die Leistungen der Rasse stetig zu verbessern, um als Konkurrenz für das immer beliebter werdende Fleckvieh bestehen zu können. In den 1960er-Jahren war das Rote Höhenvieh nahezu ausgestorben, da es mit den leistungsstärkeren Rassen nicht mithalten konnte. Das Rote Höhenvieh kann vor allem in der Beweidung eingesetzt werden und damit einen Beitrag zur Landschaftspflege leisten. Häufig wird es auch in der Mutterkuhhaltung genutzt.
Kühe für vielfältige Tier- und Pflanzenwelt
Von der Weidehaltung profitieren neben den Kühen auch Flora und Fauna aufgrund der Freisetzung von Nährstoffen und der Schaffung von Lebensraum. Verschiedene Arten von Fliegen und Käfern nutzen den Rinderkot zum Ablegen ihrer Eier, wie z. B. die Stubenfliege oder der Mistkäfer. Andere Kleinstlebewesen wie Tausendfüßler und Asseln sowie Milben und Pilze nutzen jeden Nährstoff des Kots zur eigenen Ernährung. Nach der vollständigen Zersetzung setzt sich der Kreislauf des Lebens fort und weitere Lebewesen ziehen Nutzen aus den Exkrementen der Rinder. Vögel (Stare, Schwalben), Säugetiere (Igel, Fledermäuse), Reptilien (Eidechsen) und Amphibien (Frösche) können sich nach etwa drei Monaten über nährstoffreiche Nahrung freuen.
Wiederkäuer als Landschaftspfleger
Galloways werden aufgrund ihrer Robustheit und Witterungsbeständigkeit häufig als sogenannte Landschaftspfleger eingesetzt. Durch ihr geringeres Gewicht hinterlassen sie zudem weniger Trittspuren, was die Grasnarbe schont. Das Abgrasen der Wiesen fördert die Biodiversität, da dadurch Lebensräume für andere Tiere und Pflanzen geschaffen werden. Die Rasse stammt ursprünglich aus dem Südwesten Schottlands und zeichnet sich durch ihre besondere Widerstandsfähigkeit aus. Die eher klein- bis mittelrahmigen Tiere können problemlos ganzjährig im Freien gehalten werden. Es gibt außerdem mehrere Farbschläge des dichten Haarkleids. Eine weitere Besonderheit ist die natürliche Hornlosigkeit, die auch Vorteile im Bereich der Arbeitssicherheit mit sich bringt.
Wasserbüffel als Landschaftspfleger
Die Weidehaltung von Wasserbüffeln in Feuchtgebieten ist eine übliche Praxis, da sie sowohl für die Tiere als auch für Flora und Fauna Vorteile bietet. Durch ihre spezielle Klauenphysiologie können Wasserbüffel nasse Standorte gut begehen und sich zudem im Wasser abkühlen. Ihre anspruchslose Beweidung und die entstehenden Trittsiegel fördern eine Strukturvielfalt, die sich positiv auf die Biodiversität auswirkt. Ausgewachsene Bullen können bis zu 1.000 kg wiegen. Aufgrund der geringen Anzahl an Schlachttieren stellt sich die Wirtschaftlichkeit jedoch häufig als Herausforderung dar. Auch die sehr starke Schädelplatte und die langen Abhängzeiten tragen dazu bei. Darüber hinaus ist das Fruchtbarkeitsmanagement eher schwierig, weshalb sich die Nutzung meist auf die Landschaftspflege in Moorstandorten beschränkt. Entscheidend ist hierbei oft, in welchem Umfang Agrarumweltprogramme in Anspruch genommen werden können.
Mutterkuhhaltung für Tierwohl
In der Mutterkuhhaltung werden Kälber bis zu sechs Monate gemeinsam mit der Mutterkuh auf der Weide gehalten. Die Kalbungen werden dabei häufig in die Wintermonate gelegt, damit Kuh und Kalb die Zeit von Frühling bis Herbst zusammen auf der Weide verbringen können. Durch das Zusammenleben in der Herde lernen die neugeborenen Kälber von den älteren Tieren, was ihre Anpassungsfähigkeit stärkt. Diese Haltungsform ermöglicht zudem die Erzeugung von Fleisch höchster Qualität für den Verbraucher. Die Kuhfladen bieten darüber hinaus Lebensraum für Insekten, die nach ihrer Entwicklung wiederum Nahrung für Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien darstellen.
Kuhfladen als Kinderstube
Umgebung, die durch deren Auftreten profitiert. Viele verschiedene Insekten nutzen den Kuhfladen auf unterschiedliche Weise. Oft dient er zur Eiablage oder zur Aufnahme von Nährstoffen, was Einfluss auf ihre Entwicklung hat. Außerdem werden die Exkremente von Käfern und anderen Kleinstlebewesen zu Erde zersetzt. Durch diese Prozesse läuft der natürliche Kreislauf stetig weiter, denn Vögel, Frösche oder Igel finden hier ebenfalls einen wichtigen Bestandteil ihrer Nahrungskette. Die Weidehaltung bewirkt zudem, dass das Grünland nicht überwuchert. Heimische Pflanzen können sich durch die Zurückdrängung anderer Sträucher und Gewächse wieder auf den Wiesen ansiedeln und dort wachsen.
Angus für Artenvielfalt
Die Weidehaltung stellt nicht nur einen Vorteil für die Tiere selbst dar, sondern auch für Flora und Fauna. Durch die Nahrungsaufnahme wird das Grünland dauerhaft von Sträuchern und Büschen freigehalten. Zudem entstehen viele Nährstoffe in Form von Kuhfladen, die zahlreichen Tieren Lebensraum und Möglichkeiten zur Fortpflanzung bieten. Die daraus entstehenden Kleinstlebewesen dienen wiederum als Nahrung für Vögel, Säugetiere und andere Arten. Für die Beweidung eignet sich die Rasse Angus besonders gut. Die mittelrahmigen, von Natur aus hornlosen Rinder zeichnen sich durch ihre Robustheit aus. Ihr Fell ist meist einfarbig schwarz oder rot. Aufgrund ihrer Leichtkalbigkeit und guten Muttereigenschaften werden sie häufig in der Mutterkuhhaltung eingesetzt. Ihr hochwertiges Fleisch wird oft direkt durch die Landwirtinnen und Landwirte vermarktet.
Formen der Weidehaltung
In der Landwirtschaft gibt es verschiedene Formen der Weidehaltung, die sich nach Intensität, Bewirtschaftungsweise und Nutzung unterscheiden. Oft ist die Wahl des geeigneten Weidesystems abhängig von den betrieblichen Gegebenheiten vor Ort. Bei der Portionsweide wird eine Weidefläche in mehrere kleine Teilflächen unterteilt. Die Tiere haben somit nur eine kleinere „Portion“ an Weidefläche zur Verfügung. Für die Zäunung werden meist mobile Elektrozäune verwendet, die sich schnell umstecken lassen. Ziel ist es, den Aufwuchs optimal zu nutzen sowie eine hohe Futteraufnahme bzw. gute Futterqualität zu gewährleisten.
Bei der Standweide verbleiben die Tiere während der gesamten Weidesaison dauerhaft auf derselben Fläche – es erfolgt also kein Umtrieb. Hier bieten sich sehr große Flächen an, um einerseits Trittschäden zu vermeiden und andererseits eine ausreichende Futterqualität sicherzustellen. Bei der Umtriebsweide hingegen wird eine Weidefläche in mehrere Teilstücke eingeteilt und je nach Fortschritt der Aufwuchsverwertung umgetrieben. Sie ist etwas weniger aufwendig als die Portionsweide. Auch die Kurzrasenweide kann eine Möglichkeit zur Beweidung darstellen. Die Besonderheit liegt hier in einem kurz gehaltenen Aufwuchs (5–8 cm). Dieser soll so gleichmäßig wie möglich sein, um flächendeckend eine gute Futterqualität zu gewährleisten.
Bezogen auf die Nutzung gibt es die Sommerweide, die Ganzjahresweide mit Offenstall sowie die Alm- oder Hutweide, bei der die Tiere saisonal auf weitläufige Flächen getrieben werden. Zu den besonderen Systemen zählen die Hüteweide, die Koppelweide, die Agroforst-Weide und die Mischbeweidung. Diese Formen zeigen die Vielfalt der Weidehaltung – von intensiver Futterproduktion bis hin zu naturnaher, nachhaltiger Tierhaltung.
Risiken der Weidehaltung
Insgesamt erfordert Weidehaltung also ein sorgfältiges Management, um Tiergesundheit, Flächennutzung und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. Die Weidehaltung bietet Vorteile für Tierwohl und Umwelt, birgt aber auch verschiedene Risiken und Herausforderungen. Bei den Tieren können Krankheiten, Parasiten, Verletzungen oder Witterungseinflüsse wie Hitze, Kälte und Nässe Probleme verursachen. Auch die Futterversorgung ist abhängig von Witterung und Fläche- giftige Pflanzen oder zu eiweißreiches Gras können gesundheitliche Folgen haben.
Auf den Flächen kann es zu Überbeweidung, Bodenverdichtung oder Nährstoffbelastung kommen, während Unterbeweidung zum Verbuschen und zum Verlust von Arten führen kann. Betriebliche Risiken entstehen durch höheren Arbeitsaufwand, fehlende Infrastruktur und mögliche wirtschaftliche Einbußen. Externe Gefahren, etwa durch Raubtiere wie den Wolf, kommen zusätzlich hinzu. Nicht zu vergessen ist auch ein erhöhtes Risiko im Bereich der Arbeitssicherheit, da Weidetiere in der Regel weniger intensiven Kontakt zum Menschen haben. Insgesamt erfordert Weidehaltung ein sorgfältiges Management, um Tiere, Flächen und Ertrag zu schützen.